Artikel Badische Zeitung 20.06.2026

  
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 Was treibt eigentlich Briefmarkensammler an?

     

Wenn Joachim Leonhardt von seiner Passion erzählen will, muss er ausholen. Nicht jeder versteht augenblicklich seine Begeisterung für Briefmarken. In der Breisacher Sammlergruppe dagegen sehr wohl

     

Dröge und langweilig?

Dass Briefmarkensammeln nicht den Ruf hat, sexy zu sein, ist Joachim Leonhardt selbstverständlich bekannt. Manche Menschen seien schon sehr verwundert und fragten ihn, wie er kleine Papierstücke horten könne. "Wenn ich die Zeit und Muße habe, erkläre ich es – und dann verstehen es die Leute auch meistens", sagt der Breisacher. Es geht eben nicht nur um ein bisschen Papier. Wer sich beispielsweise auf Marken aus einem bestimmten Land konzentriere, der könne das nicht, ohne sich mit der Geschichte des Landes auseinanderzusetzen. "Zum Beispiel die baltischen Staaten", setzt Leonhardt an. Die hätten sich ja nach dem Ersten Weltkrieg von Russland getrennt. Aus Papiermangel hätten sie damals ihre Briefmarken auf die Rückseite von Geldscheinen gedruckt und die dann zerteilt. Entsprechend sei es spannend, so einen Geldschein durch das Sammeln der Briefmarken wieder zusammenfügen zu können.     

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Die Geschichte dahinter

"Wenn man einfach nur Briefmarken sammelt, ist das langweilig", sagt Leonhardt selbst als Leiter der Breisacher Briefmarkensammlergruppe sowie Erster Vorstand des Freiburger Dachvereins. Unter Kennern gelte die Devise: Eine postfrische Briefmarke sei schön, eine gestempelte Briefmarke erzähle einen Satz und ein Brief eine Geschichte. Nur was für eine? Natürlich sei ein großes Thema die Post von der Front im Zweiten Weltkrieg oder aus der meist russischen Gefangenschaft. Leonhardt kommt allerdings auch ein Brief in den Sinn, der aus der Zeit stammt, bevor es Briefmarken überhaupt gab. Da hat ein Mann aus Ilmenau bei Offenburg der dortigen Nervenanstalt geschrieben, man solle doch bitte seine Frau abholen, da sie nicht mehr als Arbeitskraft tauge. Das ist zum Glück schon ein wenig her, der Brief stammt aus den 30er Jahren des 19. Jahrhunderts.

Nicht nur Männer

Zu den monatlichen Tauschabenden in Breisach kommen auch Gäste aus Frankreich – nämlich die Vorsitzenden des Partnervereins aus Neuf-Brisach und aus Colmar – und zwei Frauen. "Das ist sehr selten." Ansonsten sei die jahrzehntelang gewachsene Runde gehobenen Alters. "Ich bin mit 62 Jahren der Jüngste", sagt Leonhardt, der als 12-Jähriger anfing, sich für Briefmarken zu interessieren, dann aber bereits in der Pubertät eine lange Pause einlegte. "Viele Menschen haben wegen Beruf und Familie nicht genug Zeit dafür, deswegen ist für mich ein junger Briefmarkensammler um die 50." Selbst aus diesem Altersbereich sei Nachwuchs allerdings eher selten.

Eine Freude machen

Bei solch einer eingeschworenen Gemeinschaft zieht sich beim Tauschgeschäft natürlich niemand über den Tisch. Zum einen sind die Preise in der Regel bekannt – zur Orientierung gibt es dennicht kopieren sogenannten Michel-Katalog – und von den darin genannten Preisen würden in Deutschland rund 20 Prozent gezahlt. "Da herrscht eine sehr freundliche Atmosphäre, und wenn ich eine Marke aus einem Bereich habe, in dem jemand anderes sammelt, mache ich ihm damit gern eine Freude", so Leonhardt. Er selbst hat sich auf Briefmarken aus den einstigen englischen Kolonien spezialisiert – "ohne Anspruch auf Vollständigkeit, das wäre finanziell auch gar nicht möglich, ein paar Marken sind wahnsinnig teuer und in der Regel gar nicht auf dem Markt". Reich werden könne man mit dieser Passion übrigens dennoch nicht: Man erhalte nur für die absoluten Spitzenmarken hohe Preise – "und muss sich sehr gut auskennen".

Links zu sehen ist eine Farblithografie, die 1903 als Postkarte verschickt wurde. Der Brief rechts ist für Joachim Leonhardt ein schönes Beispiel für die verschiedenen politischen Zeiten in Breisach mit ganz unterschiedlichen Marken. Foto: Joachim Leonhardt

Die Breisacher Briefmarkensammlergruppe trifft sich jeden Monat am dritten Donnerstag in der Pizzeria Lanka, Küferstraße 7.

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Quelle: Badische Zeitung von 20.06.2026


Erstellungsdatum: 24/06/2026 * 14:21
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